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Kirchners Spuren in Davos

Kunst, Leben und Landschaften eines Expressionisten

Kirchner Museum Davos

Auf den Spuren von Ernst Ludwig Kirchner in Davos

Während zwanzig Jahren lebte und arbeitete der deutsche Künstler Ernst Ludwig Kirchner in Davos. Auf seinen Bildern erkennt man viele Plätze und Landschaften der Region wieder. Wir machen einen Rundgang und begeben uns auf Kirchners Spuren in Davos!

Als Ernst Ludwig Kirchner im Januar 1917 zum ersten Mal für einen kurzen Aufenthalt von Berlin nach Davos reist, liegen bereits mehrere Sanatoriumsaufenthalte hinter ihm. Er ist traumatisiert von seinem Einsatz im Ersten Weltkrieg und abhängig von Alkohol und Schlafmitteln. Der Kunsthistoriker und Autor Florian Illies schreibt seinem Buch «Liebe in Zeiten des Hasses» über Kirchner:

«Nach all den Granateinschüssen in den Schützengräben kann er keinen Lärm mehr ertragen, höchstens Kuhglocken, den Bergwind, der unruhig ums Haus streicht, und das ferne Rufen der Adler, die um die Gipfel kreisen. Hier, etwas unterhalb der Staffelalp, oberhalb von Davos, hat er ein karges Bauernhaus bezogen, schwere Balken umhüllen die dunklen Räume [… ] Manchmal fährt er runter nach Davos, setzt sich ins Café wie einst in Berlin, aber es ist nicht mehr wie früher, er trinkt seinen Kaffee, schaut einmal in die Zeitung und fährt schnell wieder zurück auf seine Alm. Er ist ein Überlebender. Er ist aus der Zeit gefallen.»

  • Kirchner Museum Davos
  • Kirchner Museum Davos Eingang
  • Kirchner

Rastlose aber produktive Jahre

Ab 1918 lässt sich Kirchner dauerhaft in Davos nieder. Bis zu seinem Suizid am 15. Juni 1938 folgen zwanzig rastlose, schmerzhafte, aber zugleich ausgesprochen produktive Jahre. Im Stil des Expressionismus zeichnet und malt er die Landschaften und Berge, die ihn umgeben. Zugleich interessiert er sich für die Menschen seiner neuen Heimat. Von Davos aus organisiert Kirchner erfolgreiche Ausstellungen in der Schweiz und in Europa, empfängt Gäste, verkauft seine Werke und steht in engem Austausch mit der internationalen Kunstszene.

Kirchner trifft Picasso im Kirchner Museum in Davos

Ernst Ludwig Kirchners Werk lässt sich wechselnden Ausstellungen im Kirchner Museum entdecken. Vom 15. Februar bis 3. Mai läuft eine besonders hochkarätige Ausstellung. In der Gegenüberstellung «Kirchner. Picasso» werden über hundert Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen und Druckgrafiken der beiden gezeigt.

Die fünf wichtigsten Kirchner Stationen

  • 01

    Stafelalp

    Gemälde von Ernst Ludwig Kirchner, Stafealp

    Nachdem Kirchner bereits im Winter 1917 für einige Wochen in der Villa Pravigan in Davos weilte, kehrt er im Sommer zurück und lässt sich auf der Stafelalp nieder. Auf dem kleinen Plateau oberhalb von Frauenkirch sömmern die Bauern ihr Vieh und betreiben Milchwirtschaft. Im Sommer 1917 und 1918 bewohnt Kirchner die Hütte der Familie Rüesch, 1919 und 1920 die der Familie Andreas Müller.

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    E. L. Kirchner
    Laufende Kühe auf der Stafelalp, 1919 (Detail)
    Kirchner Museum Davos, Schenkung Nachlass Ernst Ludwig Kirchner 1992

  • 02

    In den Lärchen, Frauenkirch

    Blick auf das Haus «In den Lärchen» von Ernst Ludwig Kirchner

    1918 mietet Kirchner ein altes Walserhaus in der Hofgruppe «In den Lärchen» in Frauenkirch, das der Familie Müller gehört. Nach Erhalt der Niederlassungsbewilligung für Davos, richtet er sich dort dauerhaft ein. Aus Berlin lässt er Teppiche, Druckerpresse, Gemälde und Zeichnungen kommen, um arbeiten zu können. Fast fünf Jahre bleibt er «In den Lärchen» und malt in dieser Zeit einige bedeutende Alpenlandschaften, aber auch weibliche Akte.

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    E. L. Kirchner
    Blick auf das Haus «In den Lärchen» 1918/1923 (Detail)
    Kirchner Museum Davos, Schenkung Nachlass Ernst Ludwig Kirchner 1992

  • 03

    Wildboden

    Blick auf den Wildboden von Ernst Ludwig Kirchners Wohnhaus

    Im September 1923 – Kirchner verkrachte sich mit der Familie Müller – ziehen der Künstler und seine Partnerin Ella Schilling in ein altes Walser Bauernhaus auf dem Wildboden am Eingang zum Sertigtal. Im oberen Stock richtet er ein Malatelier und eine Druckwerkstatt ein, im angrenzenden Stall befindet sich sein Bildhaueratelier.
    Am 15. Juni 1938 erschiesst sich der 58-jährige Kirchner auf dem Wildboden, unweit des Waldfriedhofs, wo er heute begraben liegt. Die Bedrohung durch die Nationalsozialisten, die sein Werk diffamierten aber auch seine Drogenabhängigkeit und persönliche Krisen dürften zu seinem Suizid beigetragen haben.

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    E. L. Kirchner
    Blick von Ernst Ludwig Kirchners Wohnhaus auf dem Wildboden zur Fleischtrocknerei, zum Elektrizitätswerk und zum Gasthaus, 1924
    Kirchner Museum Davos, Schenkung Nachlass Ernst Ludwig Kirchner 1992

  • 04

    Davos

    Gemälde von Ernst Ludwig Kirchner, Davos im Winter

    Kirchner wohnte unter Bauern, fernab des Kurortes Davos, kam jedoch regelmässig in die Stadt. Unter anderem kehrt er in der Konditorei-Confiserie Schneider an der Promenade ein, das heutige Hugo’s. Beim Kaffeetrinken skizziert er die anderen Gäste. Seine Skizzen aquarelliert er später oder nutzt sie als Vorlagen für Druckgrafiken oder Ölgemälde.
    In der Villa Fontana an der Oberen Strasse 22B besucht er Lucius Spengler und dessen Frau Helene. Der Arzt hat Kirchner medizinisch betreut und zugleich Werke von ihm erworben. In der Villa hingen diese neben Bildern von Ferdinand Hodler oder Giovanni Giacometti.
    Im Rathaus erledigt Kirchner seinen Papierkram, pflegt aber auch eine Freundschaft mit Landammann Erhard Branger, einem Kunstliebhaber. Dieser hilft ihm bei seinen Kunsttransporten und überzeugt die Politik, Kirchners Bild «Rathaus Davos Platz» zu erwerben.

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    E. L. Kirchner
    Davos im Winter, 1924-26
    Kirchner Museum Davos, Dauerleihgabe aus Privatbesitz

  • 05

    Sertig

    Gemälde von Ernst Ludwig Kirchner, Sertigtal

    Kirchner wandert häufig ins Sertigtal mit seinen Bergbächen und Nadelholzwäldern, wo er skizziert und fotografiert. Aus diesen Vorlagen entstehen später im Atelier seine Bilder mit den intensiven Farben. Auch dem Heuersonntag, der ab 1923 als Sertigschwingfest stattfindet, widmet er ein Bild: «Ringer in den Bergen».

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    E. L. Kirchner
    Sertigtal im Herbst, 1925/26 (Detail)
    Kirchner Museum Davos, Schenkung Erbengemeinschaft Amstad 2000

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