Zum Hauptinhalt springen

«Weltweit einmalig»: Kirchner trifft Picasso

Publiziert : 29. Januar 2025

Katharina Beisiegel Direktorin des Kirchner Museum Davos

Vom 15. Februar bis 3. Mai 2026 zeigt das Kirchner Museum Davos eine aussergewöhnliche Gegenüberstellung von Werken Pablo Picassos und Ernst Ludwig Kirchners. Im Interview spricht Museumsdirektorin und Kuratorin Katharina Beisiegel über die Ausstellung «Kirchner. Picasso».

Die Idee für dafür schwirrte schon mehrere Jahre in ihrem Kopf herum – allerdings liess sich diese nicht so einfach umsetzen.

«Es sollten doch einmal meine Bilder neben Picassos hängen», schrieb Ernst Ludwig Kirchner selbstbewusst. Was war – fast hundert Jahre später – nötig, um diesen Wunsch zu erfüllen?
«Es ist äusserst schwierig, Werke von Pablo Picasso für eine Ausstellung zu erhalten. Wir sind viel gereist und haben die Leihgeber persönlich besucht, darunter grosse europäische Museen ebenso wie Privatsammlungen. Es brauchte viel Überzeugungskraft und Zeit. Mit der Planung begannen wir vor über drei Jahren und arbeiteten mit dem LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster zusammen, wo die Ausstellung in der ersten Station bereits sehr erfolgreich lief.»

Gab es einen bestimmten Anlass für diese Ausstellung?
«Die Idee trage ich bestimmt schon zehn Jahre mit mir herum. 2015 kuratierte ich in der Vancouver Art Gallery in Kanada eine Picasso-Retrospektive und besuchte kurz darauf das Kirchner Museum in Davos sowie dessen damaligen Direktor Thorsten Sadowsky. Es war damals eine Ausstellung zu Kirchners Spätwerk zu sehen – sein Bezug zu Picasso sprang mir sofort ins Auge. Natürlich bin ich damit nicht die Erste: Die Parallelen zwischen Kirchner und Picasso sind schon länger bekannt. Wir sind jedoch das erste Projekt, das die Malerei der beiden Künstler in einer umfassenden Gegenüberstellung zeigt. Das ist weltweit einmalig.»

Wie wurden die hundert Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen und Druckgrafiken für die Ausstellung ausgewählt?
«Mir war es wichtig, die Geschichte der beiden Künstler zu erzählen. Beide waren in ihrer Zeit revolutionär und schufen eigene Welten. Picasso wollte das Sehen neu erfinden und begründete damit den Kubismus. Kirchner, einer der wichtigsten Vertreter des Expressionismus, ging es darum, in seinen Malereien das innere Empfinden sichtbar zu machen. Obwohl sich ihre Stile stark unterscheiden, ähneln sich ihre Themen: Beide waren geprägt vom Ersten Weltkrieg und von der Machtergreifung der Nationalsozialisten, die sowohl Kirchners als auch Picassos Werke als ‹Entartete Kunst› diffamierten. Auch das veränderte Rollenverständnis zwischen Mann und Frau beschäftigte sie, ebenso wie die Sehnsucht nach Natur oder ihr Interesse an Subkulturen wie Varieté und dem Theater.»

Auf welche Werke sind Sie besonders stolz, dass Sie sie in Davos zeigen dürfen?
«Wir präsentieren ein fantastisches Porträt von Fernande Olivier, Picassos erster Lebensgefährtin – ein Meisterwerk des Kubismus. Als Pendant dazu steht eine von Kirchners Strassenszenen, eine besondere Leihgabe aus dem Museum K20 in Düsseldorf. Auch ein Gemälde aus Picassos Blauer Periode aus der Zürcher Bührle-Sammlung sowie die ‹Maternité› aus der Pinakothek der Moderne in München durften neben vielen anderen Gemälden nach Davos reisen. Mein persönlicher Favorit ist jedoch ein wenig bekanntes Stilleben Picassos aus dem Kunstmuseum Solothurn: Kirchner sah dieses Bild mit dem Tisch und den Erdbeeren einst in einer Ausstellung und schrieb in seinem Tagebuch darüber.»

Hat Picasso eigentlich auch die Werke von Kirchner gekannt?
«Das wissen wir nicht, wir haben keine Hinweise darauf gefunden. Im Gegensatz zu Kirchner, der viel schrieb und unter dem Pseudonym Louis de Marsalle sogar Kunstkritiken zu seinen Ausstellungen verfasste, äusserte sich Picasso nur selten über seine Arbeiten oder die Kunst anderer. Den Expressionismus muss er jedoch gekannt haben. Bei der Sonderbundausstellung in Köln um 1912 war Picasso prominent vertreten – aber auch die Künstlergruppe Brücke, der Kirchner angehörte.»

Planen und Buchen
Wir sind via WhatsApp erreichbar!
1.
Legen Sie für unsere Rufnummer
+41 81 415 21 88 einen Kontakt an.
2.
Schreiben Sie Ihre Frage direkt per WhatsApp.
Wir beantworten Ihre Fragen gerne während der Öffnungszeiten des Informationsbüros